Was ist Kompostextrakt und wie stelle ich Kompostextrakt her

Anfang November liegt die Bodentemperatur bei uns unter 10 °C. Damit hat sich die mikrobielle Aktivität schon tiefer in den Boden verlagert. Für die letzte Pflanzenvitalisierung im Jahr ist das der entscheidende Punkt – und der Grund, warum ich dafür keinen Komposttee mehr braue, sondern einen Kompostextrakt herstelle.
Der Unterschied in einem Satz
Komposttee vermehrt Mikroorganismen. Der Kompostextrakt löst sie heraus, ohne sie zu vermehren.
Beim Tee läuft der Prozess über 24 Stunden mit Belüftung, Wärme und Nahrung. Beim Kompostextrakt strömt Wasser durch den Kompost, die Organismen lösen sich – mehr passiert nicht. Daraus folgt alles Weitere.
Warum im Herbst der Kompostextrakt
Mein Johnson-Su-Kompost enthält mehr Pilze und Sporen, als ich normalerweise im Komposttee finde. Genau diese Pilze möchte ich für den Winter nutzen.
Dazu kommt die Menge. Der Kompostextrakt wird bei mir mit 10 % Kompost angesetzt, ein Komposttee mit rund 3 %. Die grössere Menge beimpft den Boden schlicht effektiver.

So stelle ich den Kompostextrakt her
Das ist bewusst so einfach. Nahrung und Wärme bräuchte ich nur, wenn ich vermehren wollte – und das will ich hier nicht.
Ergänzt habe ich die Mischung mit einem halben Liter PhytoGreen Bor. Das ist ein Borethanolamin und damit nicht schädlich für die Mikrobiologie – im Gegensatz zu Borax.

Die Ausbringung
Eigentlich hatte ich früher beginnen wollen, aber das anhaltend nasse Wetter machte mir einen Strich durch die Rechnung. Erst an diesem Tag war die Oberfläche gut genug abgetrocknet.
Mit dem kleinen Traktor gab es kaum sichtbare Fahrspuren im Weizenfeld. Leicht fahren, dafür mehrmals die Feldspritze befüllen – das ist mir im November lieber als eine volle Fuhre und verdichtete Fahrgassen.
Was wir vorher anschauen
Unter dem Mikroskop prüfen wir, was tatsächlich im Kompostextrakt ist: Pilzhyphen, Sporen, Testat-Amöben. Der Kompost auf dem Bild oben ist zwei Jahre alt, und ein Teil der Pilzhyphen ist bereits wieder verschwunden. Er war also schon etwas zu alt.

Das ist kein Detail am Rand. Ein Kompostextrakt kann nur so gut sein wie der Kompost, aus dem er kommt – er vermehrt ja nichts, was fehlt. Wenn du wissen willst, was in deinem Kompost oder Boden tatsächlich lebt, schauen wir uns das in einer Analyse an.
Wann Komposttee, wann Kompostextrakt
Der Kompostextrakt geht auch direkt an das Saatgut oder in den Saatschlitz. Und das Brausystem steht im Winter nicht still: EM-Fermente und Heutee als Güllezusatz lassen sich damit ebenso herstellen.
Häufige Fragen zu Kompostextrakt
Was ist der Unterschied zwischen Komposttee und Kompostextrakt?
Komposttee vermehrt Mikroorganismen: Der Prozess läuft über 24 Stunden mit Belüftung, Wärme und Nahrung. Beim Kompostextrakt strömt Wasser durch den Kompost, und die Organismen lösen sich heraus. Er vermehrt sie nicht.
Wie stelle ich Kompostextrakt her?
Mit einem Verhältnis von 1:10, also 10 % Kompost auf das Wasser, belüftet, ohne Heizen und ohne zusätzliche Nahrung. Üblich sind zwei Stunden. Ein Kompostextrakt kann nur so gut sein wie der Kompost, aus dem er kommt.
Wie lange ist Kompostextrakt haltbar?
Rund eine Woche. Komposttee ist dagegen nur etwa vier Stunden haltbar.
Wann nehme ich Kompostextrakt statt Komposttee?
Wenn du den Boden beimpfen willst, wenn es kalt ist, wenn du Pilze statt Bakterien brauchst oder wenn du das Produkt nicht innerhalb von vier Stunden ausbringen kannst. Anfang November liegt die Bodentemperatur bei uns unter 10 °C, deshalb setze ich dann keinen Komposttee mehr an.
Warum ist im Herbst ein Kompostextrakt sinnvoll?
Der Kompost enthält viele Pilze und Sporen. Pilze mineralisieren langsamer und können Stickstoff besser speichern. Über die Wintermonate bleibt der Stickstoff dadurch gebunden, statt ausgewaschen zu werden.
Stand: November 2026. Autor: EDAPRO GmbH, Ruswil. Quellen: Versuche, Blattsaftanalysen und Praxiserfahrung von EDAPRO.
Blattdüngung richtig anwenden: die 6 Regeln, die über die Wirkung entscheiden ·
Magnesium: warum der Mangel im Frühling kommt, obwohl der Boden voll ist ·
Bor: warum der Mangel bleibt, obwohl du düngst ·
Blattsaftanalyse: wann du sie machst und was sie dir zeigt ·
Biostimulanzien selbst herstellen: was auf dem Hof wirklich geht ·
Saatgut und Jungpflanzen mit Komposttee beimpfen ·
Komposttee als Blattstimulanz: Was wirklich zählt ·
Brausysteme ·
Mikrobensubstrat ·
Persönliche Beratung