Analysen

Bor: warum der Mangel bleibt, obwohl du düngst

Junge Wintergetreide-Pflänzchen in Reihen im Abendlicht

Bor ist in der Pflanze nicht mobil. Was einmal verbraucht ist, wird nicht aus alten Blättern nachgeliefert – die Pflanze muss laufend Nachschub bekommen, sonst entsteht der Mangel neu, ganz gleich, wie gut im Herbst gedüngt wurde.

Warum Bor fehlt, obwohl du gedüngt hast

Bor ist wasserlöslich. Genau das macht es beweglich im Boden und unzuverlässig als Vorrat: Winterniederschläge spülen einen Teil davon aus dem Wurzelraum, bevor die Pflanze im Frühling wieder aktiv wird.

Der zweite Grund liegt in der Wurzel selbst. Bei Trockenheit sinkt die Aufnahme über die Wurzel spürbar, weil Bor der Pflanze vor allem über den Wassertransport zugeht. Trockenperioden im Frühjahr treffen deshalb genau in die Phase, in der Getreide und Raps am meisten Bor brauchen.

Symbolgrafik: Bor-Ionen lösen sich von einem Blatt im Regen
WasserlöslichBor wird über den Winter aus dem Oberboden ausgewaschen. Deshalb kann eine Fläche im Herbst ausreichend gedüngt sein und im Frühling trotzdem knapp dastehen – der Vorrat ist längst weitergewandert.

Was Bor in der Pflanze macht

Bor baut Zellwände mit auf und hält sie stabil. Fehlt es, wird die Pflanze an den Wachstumsspitzen verkrüppelt, weil genau dort laufend neue Zellwände entstehen müssen.

Bei Blüte und Fruchtansatz ist Bor unverzichtbar: Es trägt das Wachstum der Pollenschläuche und die Befruchtung. Ohne genug Bor bleibt die Blüte ungleichmässig und der Fruchtansatz schwach – ein Muster, das ich bei Raps und Kernobst immer wieder sehe.

Dazu kommt der Zuckertransport. Bor reguliert, wie Zucker von den Blättern in die restliche Pflanze verlagert wird. Ist Bor knapp, bleibt der Zucker im Blatt liegen, statt dort anzukommen, wo er für Wachstum oder Kornfüllung gebraucht wird. Und weil Bor auch am Stickstoffstoffwechsel beteiligt ist, wirkt ein Mangel bis in die Proteinsynthese hinein.

Die Verbindung zu Silizium

Ohne ausreichend Bor wird Silizium in der Pflanze schlecht aktiviert. Die beiden hängen zusammen – und da Silizium selbst schon in fast jedem Boden reichlich, aber schlecht pflanzenverfügbar vorliegt, verschärft ein Bor-Mangel genau dieses Problem zusätzlich. Was ein tiefer Siliziumwert im Blattsaft bedeutet, habe ich im letzten Beitrag zur Blattsaftanalyse beschrieben.

Das Analyseblatt aus Ruswil

Auf einer unserer eigenen Flächen in Ruswil lag Bor im Blattsaft unter der Nachweisgrenze von 0,20 ppm – das Optimum liegt bei 0,40 bis 1,20.

Analyseblatt einer Blattsaftanalyse von Winterweizen mit Bor unter der Nachweisgrenze
Winterweizen, Blatt jung, eigene Fläche in Ruswil. Bor unter der Nachweisgrenze, Silizium ebenfalls im Mangel.

Auffällig: Auf demselben Blatt liegt auch Silizium unter dem Optimum, 30,4 statt 36,0 bis 63,9 ppm. Genau das Muster aus dem letzten Abschnitt – wo Bor fehlt, fehlt meist auch verfügbares Silizium. Die Pflanze stand keineswegs allgemein schlecht da: Zucker, Kalium und Stickstoff lagen im grünen Bereich. Der Mangel war gezielt bei den beiden Elementen, die sich gegenseitig brauchen.

Ohne die Analyse wäre das nicht aufgefallen. Die Pflanze zeigt einen beginnenden Bor-Mangel nicht zuerst am Aussehen, sondern zuerst im Saft.

Wann und wie viel

Die Aufwandmenge richtet sich nach Kultur und Zeitpunkt, das Grundmuster ist überall gleich: früh eingreifen, bevor die Blüte beginnt.

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Aufwandmengen Phytogreen BorWintergetreide: 0,5 l/ha, ein bis zwei Anwendungen im Schossen (BBCH 30–37), vorbeugend gegen Trockenheit  ·  Raps: 3 l/ha im Herbst ab dem 4- bis 6-Blattstadium, bei starkem Mangel vor Blühbeginn im Frühjahr wiederholen  ·  allgemein: 0,5 bis 3 l/ha in 200 bis 400 l Wasser/ha

Beim Getreide lohnt sich die Anwendung im Schossen besonders dann, wenn der Frühling trocken startet – genau dort, wo die Wurzel wegen der Trockenheit ohnehin schlechter nachliefert. Beim Raps zählt vor allem die Herbstgabe, weil sich Blüten- und Fruchtanlage schon im Herbst entscheiden.

Borax oder Borethanolamin

Die meisten Bor-Dünger im Markt basieren auf Borax. Borethanolamin ist besser wasserlöslich und wird schneller aufgenommen – ein Vorteil genau dann, wenn der Boden wenig Bor liefert oder die Bedingungen schwierig sind.

Borax hat einen zusätzlichen Nachteil: Es kann die Bodenmikrobiologie beeinträchtigen. Deshalb setzen wir bei Phytogreen-Bor auf Borethanolamin – wasserlöslich mit 11 % Bor, ausserdem als Betriebsmittel beim FiBL gelistet.

Der nächste Schritt

Willst du wissen, ob deine eigene Fläche im Bor-Mangel steht, oder rätst du nur? Eine Blattsaftanalyse zeigt es dir schwarz auf weiss, wie auf dem Blatt aus Ruswil oben.

Steht Bor tief, korrigierst du gezielt mit Phytogreen-Bor – und schaust bei der Gelegenheit gleich auf Silizium mit. Bei Fragen zur Dosierung für deine Kultur: komm in die Beratung.

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