Komposttee & Herstellung

Biostimulanzien selbst herstellen: was auf dem Hof wirklich geht

Brausystem auf dem Hof, Schlauch führt zur Feldspritze am Traktor

Wenn du Komposttee, Kompostextrakt oder Fermente selbst ansetzt, hast du die Mikrobiologie frisch im Tank statt seit Monaten im Kanister. Das ist der ganze Punkt. Was lagerfähig sein muss, ist entweder im Stoffwechsel gebremst, oder es überleben darin vor allem die Organismen, die ohne Sauerstoff auskommen. Drei Verfahren, ein Brausystem – und für jedes gibt es einen Zeitpunkt, an dem es das richtige ist.

Frisch oder abgefüllt: das ist der Unterschied

Aerobe Mikroorganismen brauchen Sauerstoff. In einem verschlossenen Kanister ist der nach kurzer Zeit weg. Übrig bleiben die Organismen, die auch ohne auskommen – oder das Präparat wird von vornherein im Stoffwechsel gebremst, damit überhaupt etwas ankommt.

Wie deutlich das ausfallen kann, zeigt der Keimversuch von Lorenz Rieger 2020 an der ZHAW Wädenswil. Bei den Gurkensämlingen kam ein handelsübliches Einzelstamm-Präparat als Positivkontrolle auf 0,73 g Wurzelfrischgewicht nach vierzehn Tagen. Die Wasserkontrolle lag bei 0,75 g. Die beste Komposttee-Variante erreichte 0,98 g.

Das ist ein Versuch, mit einer Kultur, in Aussaatschalen. Über Erträge im Feld sagt er nichts. Die ganze Auswertung steht im Beitrag zum Keimversuch.

Komposttee: die Mikroorganismen vermehren

Beim Komposttee vermehrst du. Kompost, Wasser, Nahrung und 24 Stunden Belüftung – daraus entsteht nicht nur eine höhere Zellzahl, sondern auch das, was die Mikroorganismen dabei ausscheiden: Huminsäuren, Aminosäuren, sekundäre Metaboliten. Genau diese Stoffwechselprodukte machen die Blattwirkung aus.

Kursraum mit der Sauerstoffkurve eines Komposttee-Ansatzes auf der Leinwand
Die Sauerstoffkurve über 24 Stunden Brauzeit. Sie entscheidet, ob am Ende aerobe Mikrobiologie im Tank ist.

Damit das funktioniert, muss der gelöste Sauerstoff über die ganze Brauzeit über 6,5 mg/l bleiben. Fällt er darunter, kippt der Ansatz ins Anaerobe, und du vermehrst die falschen Organismen.

Die Kompostmenge ist der zweite Hebel. Weltweit arbeitet man mit 3 bis 10 % auf das Wasservolumen, im deutschsprachigen Raum liegt der Anteil oft unter 1 %. Wir fahren mindestens 2 %, in der Praxis rund 3 %.

Melasse setzen wir nicht ein. Zucker ist sofort verfügbar, die Bakterien vermehren sich so schnell, dass der Sauerstoff zwischen Stunde 8 und 12 einbricht – besonders über 20 °C. Dazu kommt: Sind Enterobakterien im Kompost, vermehrst du sie mit. In unserer 16S-Auswertung war genau das sichtbar. Wir arbeiten stattdessen mit komplexen Kohlenhydraten, Proteinen und Kräutern, wie sie in der Mikrobennahrung EdaBiom+ stecken.

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Komposttee in ZahlenKompostanteil mindestens 2 %, in der Praxis rund 3 %  ·  Wassertemperatur 15 bis 20 °C  ·  Brauzeit 24 Stunden  ·  gelöster Sauerstoff durchgehend über 6,5 mg/l  ·  haltbar rund vier Stunden.

Diese vier Stunden sind die entscheidende Einschränkung. Du brauchst den Tee dort, wo du ihn braust, und du musst wissen, wann du fährst.

Kompostextrakt: die Mikroorganismen ausschwemmen

Beim Kompostextrakt vermehrst du nichts. Wasser strömt durch den Kompost, die Organismen lösen sich – mehr passiert nicht. Kein Heizen, keine Nahrung.

Daraus folgt alles Weitere. Die volle Vielfalt des Komposts bleibt erhalten, weil nichts selektiv gefördert wird. Allfällige Pathogene werden nicht mitvermehrt. Dafür fehlen die Stoffwechselprodukte, die beim Brauen entstehen.

Traktor mit Feldspritze am Rand eines Winterweizenfelds im November
Kompostextrakt im Winterweizen, Anfang November. Leicht fahren, dafür mehrmals befüllen.

Der Extrakt ist rund eine Woche haltbar, und er ist in einer halben Stunde fertig. Bei der Saat ist das oft wichtiger als jedes Prozent Wirkung: Wenn das Wetter kurzfristig entscheidet, ob du fährst, hast du keine 24 Stunden Vorlauf.

Angesetzt wird mit deutlich mehr Kompost als beim Tee – Verhältnis 1:10, also 10 %. Die grössere Menge beimpft den Boden schlicht effektiver. Wie ich ihn im Detail ansetze, steht im Beitrag zum Kompostextrakt.

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Kompostextrakt in ZahlenVerhältnis Kompost zu Wasser 1:10  ·  ab 30 Minuten fertig, ich lasse ihn meist zwei Stunden laufen  ·  ohne Heizen, ohne Nahrung  ·  haltbar rund eine Woche. Mit dem EdaLife V900 sind das 90 Liter Kompost auf 900 Liter Wasser.

Wann du was einsetzt

Komposttee, wenn du auf das Blatt gehst und die biostimulierende Wirkung suchst: Vegetationszeit, warme Böden, aktive Pflanze. Und in der Anzucht, wo der Tank ohnehin nebenan steht.

Kompostextrakt, wenn du den Boden beimpfen willst, wenn es kalt ist, wenn du Pilze statt Bakterien brauchst – oder wenn du nicht innerhalb von vier Stunden ausbringen kannst. Er geht auch direkt ans Saatgut oder in den Saatschlitz.

Anfang November liegt die Bodentemperatur bei uns unter 10 °C. Für die letzte Fahrt im Jahr braue ich deshalb keinen Tee mehr, sondern setze einen Extrakt an.

Fermente und Heutee für die Gülle

Das dritte Verfahren läuft anders herum: anaerob. Milchsäurebakterien senken den pH, der Ansatz hält Wochen statt Stunden. Eingesetzt wird er im Güllelager und bei der Flächenrotte, nicht auf dem Blatt. Was dabei im Lager passiert, steht im Beitrag zum Güllezusatz.

Kräuterstrumpf wird in den angesetzten EM-Ferment im Brausystem getaucht
Der Kräuterstrumpf geht in den Ansatz. Die Kräuter kommen vom eigenen Blühstreifen, fein gehackt.

Vier Dinge müssen dabei im Gleichgewicht sein: eine Energiequelle, Nährstoffe, Wasser und eine mikrobielle Impfkultur. Als Energiequelle nehmen wir hier Melasse.

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Unser Ferment-Ansatz für 1000 Liter30 Liter Melasse  ·  30 Liter Starterkultur  ·  0,5 kg Steinsalz  ·  10 bis 20 kg Kräuter vom eigenen Hof, fein gehackt und in einem Strumpf in den Ansatz gehängt.

Beim Komposttee wäre die Melasse ein Fehler – dort frisst sie den Sauerstoff weg. Im Ferment ist genau das erwünscht: Der Ansatz soll anaerob werden, damit die Milchsäurebakterien die Oberhand gewinnen. Dasselbe Mittel, zwei gegensätzliche Ziele.

Bei uns läuft das im Winter, wenn ohnehin Zeit ist. Die Kräuter dafür kommen aus dem eigenen Blühstreifen.

Was das Brausystem können muss

Der Engpass ist nie das Fass, sondern die Luftleistung.

Dass im deutschsprachigen Raum mit unter 1 % Kompost gebraut wird, hat selten fachliche Gründe. Viele Maschinen bringen nicht genug Luft ein, um den Sauerstoff bei höheren Kompostmengen stabil zu halten. Also senkt man den Kompost, statt die Luftleistung zu erhöhen – und verliert genau das, was den Tee ausmacht. Wer ein Brausystem anschaut, sollte nach der Luftleistung fragen, nicht nach dem Tankvolumen.

Der zweite Punkt ist die Auslastung. Dasselbe Brausystem macht Komposttee, Kompostextrakt, Fermente und Heutee. Ein Gerät, das nur sechs Wochen im Jahr läuft, rechnet sich schwer.

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Die Mengen im FeldMindestens 100 Liter pro Hektar, ideal 150 bis 200 Liter pro Hektar. Bei weiter Reihe reichen 100 Liter. Das gilt für Komposttee und Kompostextrakt gleichermassen.

Wo die Grenzen sind

  • Der Kompost entscheidet alles. Vermehren heisst auch, Fehler zu vermehren. Und der Extrakt kann nichts herauslösen, was nicht drin ist.
  • Mykorrhiza ist nicht drin. Die überlebt den Kompostierungsprozess nicht. In unseren Versuchen stieg die Mykorrhizierung bei Gräsern trotzdem – zugesetzte Sporen brachten dagegen keine zusätzliche Steigerung.
  • Es ersetzt keine Düngung. Die Nährstoffmengen sind dafür viel zu klein. Es geht um Biologie, nicht um Kilo Stickstoff.
  • Lagern geht bei keinem Verfahren beliebig. Vier Stunden beim Tee, eine Woche beim Extrakt. Wer keine Zeit für Planung hat, ist mit dem Extrakt besser bedient.

Dazu kommt die Kontrolle. Was im Tank passiert, siehst du nicht von aussen – wie du es prüfst, steht im Beitrag zur Qualitätsprüfung.

Der nächste Schritt

Fang mit einem Ansatz an. Eine Fläche behandelt, eine daneben nicht, und nach vierzehn Tagen die Spatenprobe. Parallel dazu ein Kressetest auf der Fensterbank – der kostet nichts und sagt dir mehr über deinen Kompost als jeder Prospekt.

Wenn du wissen willst, ob bei der Pflanze auch ankommt, was du ausbringst, misst du das zwei bis drei Wochen später in der Blattsaftanalyse. Und wenn du vor dem Kauf eines Brausystems durchrechnen willst, was auf deinem Betrieb Sinn ergibt: komm in die Beratung, bevor du bestellst.

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