Analysen

Magnesium: warum der Mangel im Frühling kommt, obwohl der Boden voll ist

Ausschnitt eines Blattsaftanalyse-Blatts, die Magnesium-Zeile bleibt unter dem Optimum

Im kalten Boden kommt Magnesium nicht bei der Pflanze an – auch dann nicht, wenn im Boden reichlich davon liegt. Das ist kein Vorratsproblem, sondern ein Transportproblem, und es löst sich nicht dadurch, dass du mehr in den Boden gibst.

Warum der Boden im Frühling nicht liefert

Magnesium erreicht die Wurzel vor allem mit dem Bodenwasser. Die Pflanze zieht Wasser durch, und das Magnesium kommt mit. Im Februar und März ist dieser Strom schwach: Die Verdunstung ist gering, die Wurzel wächst kaum, und der Boden ist kalt.

Die Folge ist ein Mangel mitten im Überfluss. Der Bodenvorrat stimmt, die Bodenanalyse sieht gut aus, und die Pflanze steht trotzdem knapp da. Eine Bodenanalyse zeigt dir diese Lücke nicht – sie misst den Vorrat. Die Blattsaftanalyse misst, was oben angekommen ist.

🌡️
Kalter Boden, schwacher TransportJe kälter der Boden, desto weniger Wasser zieht die Pflanze – und desto weniger Magnesium kommt mit. Die erste Wachstumsphase im Frühling ist deshalb die Phase mit der grössten Lücke zwischen dem, was im Boden liegt, und dem, was oben ankommt.

Was ein Magnesiummangel kostet

Magnesium sitzt im Zentrum des Chlorophylls. Ohne Magnesium keine Photosynthese – und damit keine Energie für alles, was danach kommt.

Zuerst sichtbar wird das an der Farbe: Der Bestand bleibt blass statt satt grün, das Wachstum verhaltener, und am Ende steht weniger Ertrag. Nur kommen diese Symptome spät. Wenn du die Aufhellung siehst, hat die Pflanze schon Wochen lang unter Teillast gearbeitet.

Der teurere Teil liegt darunter. Eine Pflanze mit voller Photosyntheseleistung hat Energie übrig und schickt einen Teil davon als Wurzelexsudate in den Boden, wo die Mikrobiologie davon lebt. Fehlt die Energie, fällt genau dieser Anteil zuerst weg. Und hohe Proteinwerte im Brotweizen hängen ebenfalls daran: Stickstoff wird nur dann zu Protein, wenn Magnesium, Eisen, Mangan und Phosphor die Photosynthese tragen.

Das Analyseblatt vom Februar

Auf unserer eigenen Parzelle in Ruswil haben wir am 14. Februar Winterweizen beprobt, junges Blatt. Magnesium lag bei 237 ppm, das Optimum bei 250 bis 430.

Vollständiges Analyseblatt einer Blattsaftanalyse von Winterweizen vom Februar
Winterweizen, Blatt jung, eigene Parzelle in Ruswil, Probe vom 14. Februar. Fünf Werte unter dem Optimum – agronomisch zählen davon Magnesium und Bor.

Das ist ein leichter Mangel, keine Krise – und ich schreibe das bewusst so. Der Bestand stand nicht schlecht da: Zucker, Kalium, Kalzium, Schwefel, Phosphor, Mangan und Zink lagen alle im grünen Bereich.

Unter dem Optimum lagen fünf Werte: Magnesium, Bor mit 0,23 statt 0,40 bis 1,20 ppm, Ammonium mit 233 statt 280 bis 655, dazu Chlorid und Silizium. Chlorid kannst du abhaken – ein tiefer Wert macht im Ackerbau keine Probleme, Ärger gibt der umgekehrte Fall. Silizium hängt an der mikrobiellen Aktivität im Boden und ist ein Thema für sich.

Bleiben Magnesium und Bor. Genau dieses Muster sehe ich bei uns fast jedes Jahr um dieselbe Zeit: nicht ein Bestand am Boden, sondern zwei Elemente, die knapp sind, während der Rest passt. Die Ursachen sind aber verschieden. Bor wird über den Winter ausgewaschen – da ist der Vorrat selbst weg. Beim Magnesium liegt der Vorrat noch da und kommt nur nicht an.

Ohne Analyse hätte ich beides im Februar nicht bemerkt. Im Februar sieht ein Winterweizen ohnehin unscheinbar aus.

Warum Kieserit im Frühling wenig bringt

Die naheliegende Antwort auf einen Magnesiummangel ist Kieserit über den Boden. Meiner Meinung nach ist das im zeitigen Frühjahr der falsche Weg, und zwar aus dem Grund, der oben steht: Das Problem ist nicht der Vorrat, sondern der Transport. Mehr Vorrat löst kein Transportproblem.

Über das Blatt umgehst du den Weg durch den kalten Boden komplett. Der Nährstoff geht dorthin, wo er gebraucht wird, ohne auf Wurzelaktivität und Bodentemperatur angewiesen zu sein.

Wann und wie viel

Die erste Gabe fährt, sobald die Winterkulturen ihr vegetatives Wachstum aufnehmen und genug Blattmasse dastehen haben. Vorher trifft die Brühe zu wenig Blatt, und die Lücke zwischen Vorrat und Aufnahme ist genau in dieser Phase am grössten.

🌱
Carbo-Eco-Mg im Frühling3 l/ha zum Start der Winterkulturen  ·  5 % wasserlösliches MgO und 10 % SO₃  ·  wassergelöste Carboxylate, dadurch schnelle Aufnahme über das Blatt  ·  als Betriebsmittel beim FiBL gelistet

Der Schwefelanteil ist dabei kein Beiwerk. Schwefel wird über nasse Winter ausgewaschen, und die Pflanze braucht ihn im Frühling für die Proteinsynthese – du deckst mit einer Fahrt zwei Lücken ab, die zur selben Zeit auftreten.

Mit einer Fahrt ist es aber nicht getan. In unseren eigenen April-Proben lag Magnesium noch immer unter dem Optimum, in einem Fall deutlich tiefer als im Februar. Der Boden übernimmt später, als man annimmt – plan die zweite Gabe ins Schossen ein.

Was in die erste Spritzbrühe gehört

Magnesium fährt bei uns nie allein. Bor kommt dazu, weil es nach dem Winter ohnehin fehlt – für Wintergetreide nennt die Produktangabe als Termin das Schossen, BBCH 30 bis 37. Spätestens bei der zweiten Fahrt gehört es also in die Brühe. Warum Bor trotz Herbstdüngung fehlt, habe ich im letzten Beitrag beschrieben.

EdaBiom Mikrobensubstrat und Mikrobennahrung vor einem EdaLife Brausystem
Mikrobensubstrat, Mikrobennahrung und Brausystem – die Basis für die erste Fahrt im Frühling.

Dazu Mikrobiologie und eine Kohlenstoffquelle. Als Kohlenstoff nehme ich Melasse in die Spritzbrühe – und nur dorthin. Im Komposttee wäre sie ein Fehler: Der Zucker ist sofort verfügbar, die Bakterien vermehren sich so schnell, dass der Sauerstoff zwischen Stunde 8 und 12 einbricht, besonders über 20 °C. Den Unterschied habe ich bei den Biostimulanzien vom eigenen Hof auseinandergenommen.

Beim Komposttee lohnt der Blick aufs Thermometer. Aufs Blatt gehört er, sobald der Boden warm und die Pflanze aktiv ist. Willst du früher an die Mikrobiologie, läuft das über den Boden – dafür ist der Kompostextrakt gemacht, nicht die Blattbrühe.

Noch ein Zusammenhang, der im Frühling zählt: Ein Bestand mit Nitratüberschuss gerät deutlich früher in Trockenstress als einer, der genug Magnesium, Schwefel, Mangan, Eisen und Molybdän hat. Wer im Februar die Mikronährstoffe richtig stellt, kauft sich Reserve für einen trockenen Mai. Auch zieht ein Nitratüberschuss das Getreidehähnchen an.

Der nächste Schritt

Der Februar-Mangel ist der am einfachsten zu behebende im ganzen Jahr – wenn du weisst, dass er da ist. Und das weisst du erst, wenn du misst.

Zieh eine Blattsaftanalyse, sobald deine Winterkulturen ins Wachstum kommen. Steht Magnesium tief, korrigierst du mit Carbo-Eco-Mg und schaust bei der Gelegenheit gleich auf Bor mit. Bei Fragen zur Menge für deine Kultur: komm in die Beratung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert