So prüfst du die Qualität deines Komposttees

Das beste Rezept nützt nichts, wenn du nicht weisst, was am Ende im Tank ist. Im ersten Beitrag habe ich beschrieben, worauf es beim Brauen ankommt. Heute zeige ich dir, wie wir kontrollieren, ob der Komposttee hält, was er verspricht – mit Methoden, die du zum grossen Teil selbst anwenden kannst.
Der Kressetest: einfach, günstig, ehrlich
Kresse keimt innert Tagen und reagiert empfindlich auf alles, was im Substrat nicht stimmt. Genau das macht sie zum idealen Prüfstand.
Wir testen in vier Varianten: offen und geschlossen, jeweils mit und ohne Komposttee.
Die geschlossene Variante ist die strengste. Unreifer Kompost gast aus, und im geschlossenen Gefäss hemmen diese Gase die Keimung sofort. Ein reifer Kompost zeigt hier keinen Unterschied zur offenen Variante.
Der Kressetest beantwortet dir also zwei Fragen auf einmal: Ist der Kompost reif? Und fördert der Tee das Wurzelwachstum?
Dass die Methode auch ausserhalb unseres Betriebs funktioniert, zeigt ein Versuch an der Gartenbauschule Oeschberg: Ein angehender Gärtner prüfte unseren Komposttee im Kressetest mit Containersubstrat. Das Ergebnis deckt sich mit unseren Tests – deutlich besseres Wurzelwachstum mit Komposttee. Die aktiven Mikroorganismen stoppen schädliche Stoffwechselvorgänge im Substrat und wandeln sie in wachstumsfördernde Nährstoffe um.
Unter dem Mikroskop

Was wir sehen wollen: Pilzhyphen, Protozoen und Testat-Amöben. Besonders die Protozoen interessieren uns – ihre Ausscheidungen sind hervorragende Biostimulanzien. Wo sie aktiv sind, läuft der Nährstoffkreislauf.
Und ein einfaches Zeichen, für das du kein Fachwissen brauchst: Bewegung. Ein lebendiger Tee wimmelt.
Bakterien: auf die Vielfalt kommt es an

Einzelne Bakterienarten wirst du im Lichtmikroskop nicht bestimmen. Musst du auch nicht. Uns interessiert die Diversität: möglichst viele unterschiedliche Formen und Grössen.
Was in dieser Vielfalt steckt, zeigt das Beispiel Brevundimonas. Die Gattung lebt aerob, kommt in unterschiedlichen Bodentypen vor und gehört zu den «plant growth promoting rhizobacteria». In einem Versuch mit Kartoffeln steigerte sie den Ertrag und verbesserte die Stickstoffaufnahme.
Solche Leistungsträger vermehrst du nur, wenn der Tee durchgehend aerob bleibt. Deshalb gehört die Sauerstoffkontrolle während des Brauens für mich zur Qualitätsprüfung dazu. Die EdaLife Brausysteme mit den Zutaten von EDAPRO sind mehrfach getestet, damit der Sauerstoffgehalt während der 24 Stunden immer im optimalen Bereich ist. Dann erübrigt sich das Messen des gelösten Sauerstoffs während der Komposttee-Herstellung.
Huminstoffe sichtbar machen

Mit der Rundbildchromatografie machen wir die Vielfalt an Huminstoffen im Kompost sichtbar. Unter dem Mikroskop erkennst du grosse Huminsäuren als dunkle, amorphe Cluster.
Die Aufnahme oben stammt von Dauergrünland – dort ist diese Vielfalt zuhause. Mit Komposttee lässt sie sich auch auf Ackerböden ansiedeln und der Humusaufbau fördern.
Was du nicht siehst, kann trotzdem wirken
Nicht alles zeigt sich im Okular. In unseren Petrischalen-Tests wachsen regelmässig Trichoderma-Arten, deren Hyphen unter dem Mikroskop nicht sichtbar waren. Auch ein Mikrobiometer weist Pilze nach, die du im Bild nicht findest.
Wenn du es genau wissen willst
Mikroskopieren lässt sich lernen – entsprechende Kurse gibt es zum Beispiel am Inforama. Und wenn du wissen willst, was in deinem Kompost, deinem Tee oder deinem Boden tatsächlich lebt, schauen wir uns das in einer Analyse gemeinsam an – oder du meldest dich für eine persönliche Beratung.