Komposttee & Herstellung

Komposttee und Mykorrhiza: was unser Versuch zeigt

Balkengrafik: Mykorrhizierung von Rasenwurzeln 55 Tage nach Aussaat in neun Varianten, höchste Werte bei den Komposttee-Varianten, tiefster Wert beim Fungizid
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Zur Grafik oben: die Varianten
K0A− nur Wasser (Kontrolle) · K0A+ Wasser mit Mykorrhizasporen
K1A− Komposttee · K1A+ Komposttee mit Mykorrhizasporen
K2A− Komposttee mit zusätzlichen Streptomyceten · K2A+ Komposttee mit Streptomyceten und Mykorrhizasporen
KsA− autoklavierter (sterilisierter) Komposttee · KsA+ autoklavierter Komposttee mit Mykorrhizasporen
PSM Fungizid (Pflanzenschutzmittel) als Kontrolle
A− = ohne, A+ = mit zugegebenen Mykorrhizasporen. Die gestrichelte rote Linie ist der Mittelwert aller Varianten.

Komposttee enthält keine Mykorrhizapilze. Sie überleben den Kompostierungsprozess meistens nicht. Trotzdem waren die Wurzeln in unserem Versuch mit Komposttee deutlich stärker von Mykorrhiza besiedelt als ohne. Und zugegebene Mykorrhiza-Pilzsporen brachten keine zusätzliche Steigerung.

Was Mykorrhiza ist

Mykorrhizapilze leben in und an den Wurzeln. Ihre Pilzfäden reichen viel weiter in den Boden als jedes Wurzelhaar. Sie holen Wasser und Nährstoffe, vor allem Phosphor, und bekommen dafür Zucker von der Pflanze. Bei den meisten Kulturpflanzen sind es arbuskuläre Mykorrhizapilze, kurz AMF.

Wer AMF will, kauft oft Sporen im Sack oder in der Flasche. Wir wollten wissen: Geht es auch ohne? Und was passiert, wenn man beides kombiniert?

Der Versuch

Der Versuch war Teil einer Masterarbeit an der ZHAW Wädenswil (2021), mit unserem Brausystem und unserem Kompost. Als Pflanze diente Kriechendes Straussgras (Agrostis stolonifera), wie es auf Golf Greens wächst. Das Substrat stammte von einem echten Green und war nicht sterilisiert. Acht Wochen Gewächshaus.

Den Komposttee haben wir im EdaLife V60 gebraut: 1,8 Liter EdaBiom-Kompost und 153 g Nährstoffe auf 60 Liter Wasser, 24 Stunden belüftet. Pro Schale kamen 30 ml auf das Blatt, viermal im Abstand von rund 15 Tagen.

Verglichen haben wir neun Varianten, je mit und ohne zugegebene Mykorrhizasporen (Glomus-Arten, mindestens 1666 Sporen pro Schale): nur Wasser, Komposttee, Komposttee mit zusätzlichen Streptomyceten, Komposttee autoklaviert (also sterilisiert, nur die Nährstoffe bleiben) und als Kontrolle ein Fungizid. Nach 55 Tagen haben wir die Wurzeln gefärbt und unter dem Mikroskop ausgezählt, wie viel davon Mykorrhiza trägt.

Drei Beobachtungen

Erstens: Komposttee fördert die Besiedlung. Mit Wasser allein waren rund 45 % der Wurzeln besiedelt. Mit Komposttee waren es 60 bis 68 %. Das Substrat trug also schon eigene Pilze. Der Komposttee hat sie gefördert.

Zweitens: Zugegebene Sporen brachten nichts dazu. Mit Komposttee lag die Besiedlung mit Sporen praktisch gleich wie ohne (61 gegen 60 %, 68 gegen 64 %). Auch mit Wasser und Sporen blieb sie bei rund 48 %. Das hat uns überrascht.

Drittens: Das Leben im Tee zählt. Mit autoklaviertem Komposttee fiel die Besiedlung auf 31 bis 40 %, tiefer als mit Wasser. Die Nährstoffe sind dort noch drin, die Organismen nicht mehr. Meiner Meinung nach wirkt dann eher ein Düngungseffekt als ein Impfeffekt: Die Nährstoffe sind nicht mehr in lebenden Zellen gebunden. Und das Fungizid drückte die Besiedlung auf rund 15 %.

Balkengrafik: Mykorrhizierung nach Wasser 45 Prozent, Komposttee 61 Prozent, autoklavierter Komposttee 31 Prozent, Fungizid 15 Prozent
Die vier wichtigsten Varianten ohne zugegebene Sporen. Werte aus der Versuchsgrafik gelesen, gerundet.
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MerkeKomposttee fördert die Mykorrhiza, die schon im Boden steckt. Er liefert sie nicht selbst, und Sporen aus dem Sack brachten im Versuch keinen Zusatz. Das zeigt, wie wichtig ein vielfältiges Mikrobiom im Boden ist, damit die lokale Mykorrhiza aktiviert wird. Fremde Mykorrhiza-Stämme sind so nicht nötig und performen oft schlecht, da sie nur wirken, wenn das gesamte Mikrobiom vorhanden ist, das sie für ihre Arbeit brauchen.

Warum das so sein könnte

Sicher wissen wir es nicht. Es gibt aber plausible Erklärungen. Die Pilze brauchen schwer abbaubaren Kohlenstoff wie Huminstoffe, Komposttee liefert diese. Und manche Bakterien fördern die Mykorrhiza direkt. Im Komposttee sind viele davon.

Meiner Meinung nach zeigt der Versuch vor allem eins: Es lohnt sich, das Bodenleben zu füttern, statt einzelne Organismen zuzukaufen. Ob ein Pilz im Sack im Boden überhaupt Fuss fasst, hängt vom Boden ab. Ein Komposttee bringt dagegen das ganze Umfeld mit, in dem Pilze gedeihen.

Was du daraus mitnimmst

Schütze, was schon da ist. Fungizide sowie hohe Stickstoff- und Phosphorgaben bremsen Mykorrhizapilze. Und gib dem Boden Nahrung und lebende Mikroorganismen, am besten mit frischem Komposttee. Wie du den Tee herstellst und prüfst, steht im Beitrag So prüfst du die Qualität deines Komposttees. Wie du Saatgut und Jungpflanzen damit beimpfst, im Beitrag Saatgut und Jungpflanzen mit Komposttee beimpfen. Unsere Brausysteme findest du im Shop, bei Fragen helfen wir dir gerne in der Beratung.

Die Arbeit kannst du bei der ZHAW im Volltext lesen.

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