Saatgut und Jungpflanzen mit Komposttee beimpfen: was der Versuch zeigt

Wenn du deine Saat mit Komposttee angiesst, bekommt der Keimling eine ganze Mikrobengemeinschaft mit auf den Weg – genau in dem Moment, in dem sich die Rhizosphäre bildet. Bei Gurkensämlingen brachte das in einem Versuch an der ZHAW Wädenswil rund 31 % mehr Wurzelmasse nach vierzehn Tagen. Wie gross der Effekt ist, hängt allerdings stark von der Kultur ab, und bei Mais war er nicht messbar. Beides gehört in denselben Beitrag.
So lief der Versuch

Lorenz Rieger hat 2020 an der ZHAW Wädenswil geprüft, was Komposttee beim Auflaufen bewirkt – und ob sich seine Wirkung über die Nährstoffzugabe steuern lässt. Gebraut wurde mit einem EdaLife Hobby V15, 24 Stunden, nach unserer Anleitung.
Zwei Komposte kamen zum Einsatz, dazu drei Nährstoffvarianten: EdaBiom+, Melasse oder gar nichts. Als Kulturen dienten Mais und Gurke, also eine monokotyle und eine dikotyle Pflanze. Ein Teil der Schalen wurde zusätzlich mit Pythium ultimum beimpft, dem Erreger der Wurzelfäule bei Sämlingen.
Mehr Wurzel in vierzehn Tagen

Bei der Gurke lagen alle sechs Komposttee-Varianten über beiden Kontrollen. Am stärksten der KEX-Kompost mit EdaBiom+: 0,98 g Wurzelfrischgewicht gegenüber 0,75 g bei der Wasserkontrolle, also 30,7 % mehr. Der Unterschied zur Wasserkontrolle ist statistisch abgesichert (p = 0,008). Über alle acht Varianten hinweg liegt die ANOVA mit p = 0,050 allerdings genau auf der Schwelle – der Effekt ist real, aber nicht wuchtig.
Bemerkenswert finde ich den letzten Balken. Das zugekaufte Präparat der Positivkontrolle lag mit 0,73 g unter der Wasserkontrolle. Ein fertiges Produkt aus dem Regal schlug also nicht einmal Leitungswasser, während jede Variante aus dem eigenen Brausystem darüber lag.

Was Komposttee gegen Pythium ausrichtet
Pythium ultimum wirkte im Versuch brutal. Ohne Erreger liefen 99 bis 100 % der Sämlinge auf. Mit Erreger blieben bei der Gurke am Ende 5 % übrig – und der Zusammenbruch passierte zwischen Tag 6 und Tag 8, also nachdem die Pflanzen schon da waren.
Mais steckte den Erreger deutlich besser weg: 50 % liefen auf. In dieser Kultur konnte Komposttee etwas ausrichten. Die Negativkontrolle verlor 70 % der Pflanzen, die beste Komposttee-Variante kam auf 90 % Auflaufrate.
Der Nährstoff steuert, was im Tank wächst
Der zweite Teil der Arbeit ist für mich fachlich der spannendere. 42 Proben wurden per 16S-rRNA-Sequenzierung untersucht, fünf Replikate je Variante.
Zwei Befunde daraus:
- Die Herstellung ist reproduzierbar. Alle Wiederholungen liegen in der Hauptkoordinatenanalyse eng beieinander. Das ist die Grundlage dafür, dass man mit dem Verfahren überhaupt arbeiten kann.
- Der Nährstoff verschiebt das Mikrobiom – innerhalb von 24 Stunden. Ohne Zugabe ähnelt der Tee dem eingesetzten Kompost. Mit Zugabe glichen sich die Mikrobiome der beiden völlig verschiedenen Komposte einander an. Stark gefördert wurden die Gammaproteobacteria, auf Gattungsebene vor allem Acinetobacter.
Interessant ist der Preis dafür: Die Diversität nahm ab. Beide Nährstoffe hatten ein C/N-Verhältnis von 22 und eine ähnliche Zusammensetzung, deshalb wirkten sie in dieselbe Richtung.
Für die Praxis heisst das: Über die Nährstoffwahl steuerst du mit, welche Gruppen sich vermehren. Wenn du kompromisslos auf Vielfalt setzt, ist der Tee ohne Zugabe die ehrlichere Variante – das Ergebnis des Wurmkomposts ohne Nährstoff passt dazu. Für alles, was Wirkung in einem knappen Zeitfenster braucht, arbeiten wir mit EdaBiom und EdaBiom+. Wie du prüfst, was am Ende im Tank ist, steht im Beitrag zur Qualitätsprüfung.
Wie wir das auf dem Betrieb machen
Zur Aussaat setzen wir auf zwei Verfahren, und die Wahl hat vor allem einen praktischen Grund.
Komposttee ist rund vier Stunden haltbar. Das passt, wenn du im Gewächshaus oder in der Anzucht giesst und der Tank auf dem Hof steht. Über die Bewässerung lässt er sich gut ausbringen.
Kompostextrakt hält etwa eine Woche, weil nichts vermehrt wird. Für die Feldsaat ist das der grosse Vorteil: Du kannst ihn ans Saatgut geben oder direkt in den Saatschlitz fahren, ohne dass dir die Zeit davonläuft. Wie du ihn ansetzt, steht im Beitrag zum Kompostextrakt.
Dazu kommt die Planbarkeit. Bei der Saat entscheidet oft das Wetter kurzfristig, ob du fährst – und dann muss die Menge sofort bereitstehen. Komposttee braucht 24 Stunden Vorlauf, ein Extrakt ist in 30 Minuten fertig. Die Mikrobiologie wird dabei nur aus dem Kompost ausgeschwemmt, nicht vermehrt. Das kostet Stoffwechselprodukte und spart einen ganzen Tag.
Mit dem EdaLife V900 stellst du in mindestens 30 Minuten 900 Liter Kompostextrakt her. Dazu löst du 90 Liter Kompost im Sprudelbad in 900 Litern Wasser auf. Die Extraktion darf auch länger laufen.
Der nächste Schritt
Wenn du im Frühjahr eine Fläche mit und eine ohne Behandlung anlegst, hast du nach vierzehn Tagen dein eigenes Ergebnis – mit der Spatenprobe und einer Küchenwaage. Wurzelgewicht ist der Wert, an dem der Unterschied im Versuch sichtbar wurde.
Und wenn du wissen willst, ob die Jungpflanzen danach tatsächlich besser versorgt sind, misst du das zwei bis drei Wochen später in der Blattsaftanalyse. Und was im Boden selbst passiert, zeigt die Bodenvitalitätsanalyse nach Haney – sie misst die mikrobielle Aktivität statt nur die Nährstoffvorräte. Raten kannst du auch ohne uns. Wenn du die Zahlen lieber gemeinsam anschaust, komm in die Beratung.