Komposttee & Herstellung

Blattdüngung richtig anwenden: die 6 Regeln, die über die Wirkung entscheiden

Feldspritze im auflaufenden Wintergetreide bei Morgenlicht

Die beste Blattdüngung verpufft, wenn die Spritzbrühe nicht stimmt. Wasser, pH-Wert und Konzentration entscheiden, ob der Nährstoff ins Blatt kommt oder nur darauf liegt. Sechs Regeln bringen das in Ordnung – sie gelten für jeden Blattdünger.

Regel 1: Sauberes Wasser

Nimm Regenwasser oder entsalztes Wasser. Hartes Wasser bringt Carbonate mit, und Carbonate binden Nährstoffe, bevor sie das Blatt erreichen. Die Wasserhärte sollte bei 5 bis 15 °dH liegen.

Hast du nur hartes Wasser, ist eine Osmoseanlage die gründlichere Lösung. Sie kostet Geld, Regenwasser ist der günstigere Weg. Meiner Meinung nach ist das der häufigste Fehler bei der Blattdüngung: Der Dünger ist gut, das Wasser nicht.

Lass die Wasserhärte einmal messen, bevor du die nächste Brühe ansetzt.

Regel 2 und 3: pH-Wert und EC der Brühe

Stell den pH-Wert der Spritzbrühe auf 5 bis 6,5 ein. In diesem Bereich nimmt das Blatt die Nährstoffe am besten auf.

Der EC-Wert zeigt, wie viel Salz in der Brühe steckt. Bei wiederholter Anwendung bleibst du unter 3,8 mS. Je nach Kultur und Zeitpunkt sind auch 6 bis 9 mS möglich, aber Blattverbrennungen lassen sich dann nicht ausschliessen.

Der Grund liegt im Blatt selbst: Der Blattsaft hat einen EC von etwa 9 bis 12 mS. Wer mit der Brühe in diese Nähe kommt, nimmt dem Blatt jeden Spielraum. Miss den EC deshalb vor der Fahrt, nicht danach.

Regel 4 und 5: Benetzung und Feuchtigkeit

Ziel ist eine Benetzung von rund 80 % der Blattfläche. Dann verteilt sich der Nährstoff gleichmässig auf dem Blatt und sitzt nicht nur an wenigen Stellen.

Ackerbohnen-Jungpflanzen mit feinen Spritztröpfchen auf den Blättern
Ackerbohnen-Jungpflanzen nach der Blattspritzung. Die Brühe liegt als feine Tröpfchen auf der Blattfläche.

Dann zählt die Zeit. Chelatierte Nährstoffe nimmt das Blatt innerhalb weniger Stunden auf. Dafür muss es 2 bis 3 Stunden feucht bleiben. Trocknet die Brühe vorher an, bleiben die Nährstoffe auf der Oberfläche.

Spritz deshalb am frühen Morgen oder am Abend, wenn die Verdunstung gering ist, im Hochsommer besonders. Bei Regen, viel Tau oder einer Blatttemperatur über 25 °C lässt du es bleiben.

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Die Richtwerte auf einen BlickWasserhärte 5 bis 15 °dH  ·  pH der Brühe 5 bis 6,5  ·  EC unter 3,8 mS bei wiederholter Anwendung  ·  Benetzung rund 80 %  ·  Blatt 2 bis 3 Stunden feucht

Regel 6: Mikrobiologie und Kohlenstoff

Gib der Brühe Mikrobiologie und eine Kohlenstoffquelle dazu. Beides steckt im Komposttee. Die Pflanze nimmt die Nährstoffe dann besser auf, und das Wurzelwachstum wird angeregt.

Ohne Komposttee geht Melasse als Kohlenstoff in die Spritzbrühe – und nur dorthin. Im Komposttee selbst wäre sie ein Fehler: Der Zucker ist sofort verfügbar, und der Sauerstoff bricht zwischen Stunde 8 und 12 ein. Den Unterschied habe ich bei den Biostimulanzien vom eigenen Hof beschrieben.

Komposttee ist nur rund 4 Stunden haltbar. Setz die Brühe deshalb erst an, wenn du fahren kannst. Aufs Blatt gehört er, wenn Boden und Pflanze aktiv sind. Im kalten Frühling läuft die Mikrobiologie besser über den Boden, dafür ist der Kompostextrakt gemacht.

Was Komposttee nicht kann: hartes Wasser oder einen falschen pH ausgleichen. Die Regeln 1 bis 3 bleiben die Basis.

Warum das Chelat aufs Blatt gehört

Ein Chelat ist ein Metallion, das an ein grösseres organisches Molekül gebunden ist. Die Bindung ist stabil und trotzdem löslich. Das Metall fällt nicht aus und bleibt für die Pflanze verfügbar.

Bei einer Blattspritzung landet immer ein Teil der Brühe auf dem Boden. Nimm einen Zinkdünger mit EDTA, einem synthetischen Chelator. Im Boden gibt EDTA das Zink frei und bindet stattdessen Eisen. Das Zink verbindet sich dann mit Phosphor und steht der Pflanze nicht mehr zur Verfügung.

Dazu kommt das Blatt: Synthetische Chelatoren sind für Blätter phytotoxisch, organische nicht. Deshalb sind organisch gebundene Mikronährstoffe für die Blattanwendung die bessere Wahl. Bei uns sind sie so aufgebaut, etwa im Carbo-Eco-Mg und im Bor-Blattdünger.

Die Reihenfolge im Tank

Auch beim Ansetzen zählt die Reihenfolge. Wir geben die Bestandteile so in den Tank:

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Reihenfolge im Tank1. Sauberes Wasser  ·  2. Pflanzenschutz  ·  3. Dünger  ·  4. Biostimulanzien  ·  5. Mikroorganismen  ·  6. pH einstellen

Ob sich zwei Mittel vertragen, klärst du vorher in einem kleinen Ansatz. Die Reihenfolge ersetzt diesen Test nicht.

Der nächste Schritt

Fang beim Wasser an. Lass die Härte messen und prüf den pH der Brühe vor der nächsten Fahrt.

Ob der Nährstoff im Blatt ankommt, zeigt die Blattsaftanalyse: Sie misst, was oben angekommen ist, nicht was du gespritzt hast. Wie das bei Magnesium aussieht, steht im Beitrag zum Magnesiummangel, bei Bor im Beitrag zum Bormangel. Fragen zur Brühe für deine Kultur: komm in die Beratung.

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