Komposttee als Blattstimulanz: Was wirklich zählt

Komposttee-Ausbringung am Abend – die Blattapplikation gehört in die kühlen Stunden.
Über kaum etwas wird beim Komposttee so viel diskutiert wie über das Pilz-Bakterien-Verhältnis. Meiner Meinung nach ist es für die Anwendung als Blattstimulanz ein untergeordnetes Kriterium. Entscheidend ist die Qualität des Komposts – und genau darauf legen wir unseren Fokus.
Kurz beantwortet: Komposttee stellt man her, indem man reifen, hochwertigen Kompost – mindestens 2 bis 10 % des Wasservolumens – in gut belüfteten Wasser 24 bis 48 Stunden lang braut, ohne Zuckerzusatz wie Melasse. Eine gute Komposttee-Maschine liefert genug Luftleistung, damit der gelöste Sauerstoff während des ganzen Brauvorgangs über 6,5 mg/l bleibt (Faustformel: Tankvolumen mal 0,6 = benötigte Luftmenge in Litern) – das erreichen zum Beispiel unsere EdaLife Chrome Brausysteme mit einem Luft-Wasser-Verhältnis von fast 1:1.
Jeder Kompost, der mit Holz gefüttert wurde, enthält Pilze. In unseren Petrischalen-Tests wachsen regelmässig Trichoderma-Arten, die als Förderer der Pflanzengesundheit bekannt sind. Unter dem Mikroskop sind ihre Hyphen trotzdem nicht immer sichtbar. Auch ein Mikrobiometer weist Pilze nach, die mikroskopisch nicht erkennbar sind. Wer also nur zählt, was er im Mikroskop sieht, misst nicht die Wirkung – sondern die Sichtbarkeit.
Die fünf Kriterien, auf die wir achten
Warum wir auf Melasse verzichten
Melasse ist in vielen Rezepturen Standard. Wir verwenden sie nicht – und dafür gibt es zwei handfeste Gründe.
Der erste ist der Sauerstoff. Zucker ist für Bakterien sofort verfügbar. Zwischen der achten und zwölften Stunde führt das zu einer so starken Vermehrung, dass der gelöste Sauerstoff einbricht. Bei Temperaturen über 20 °C verschärft sich das zusätzlich.
Der zweite Grund wiegt schwerer. Befinden sich Enterobakterien im Kompost, werden sie durch die Melasse mitvermehrt. Wir haben das mit einer mikrobiellen Analyse überprüfen lassen: In den Varianten mit Melasse traten Gattungen auf, die man auf dem Blatt nicht haben will.

Zu demselben Ergebnis kommen auch Untersuchungen des USDA sowie eine Studie in Compost Science & Utilization.
Ein Nebeneffekt aus der Praxis: Die zähe Konsistenz macht das Dosieren mühsam. Das allein wäre kein Grund – zusammen mit dem Rest ist es einer mehr.
Mehr Kompost heisst mehr Wirkung
Weltweit werden meist 3 bis 10 % Kompost auf das Wasservolumen eingesetzt. Im deutschsprachigen Raum liegt der Anteil häufig unter 1 %. Der Grund ist selten fachlicher Natur, sondern technischer: Vielen Maschinen fehlt die Luftleistung, um den Sauerstoff bei höheren Konzentrationen stabil zu halten.
Wer die Luftleistung hat, gewinnt gleich mehrfach: mehr mikrobielle Vielfalt, mehr Huminsäuren und Aminosäuren, mehr Pflanzenhormone wie Auxine und Cytokinine. Für die Blattanwendung zählt vor allem die höhere Konzentration an sekundären Metaboliten – sie machen den biostimulierenden Effekt aus.
Was das für die Anwendung bedeutet
Komposttee ist kein Dünger. Die enthaltenen Nährstoffe fallen in der Bilanz kaum ins Gewicht. Was wirkt, sind die Mikroorganismen und ihre Stoffwechselprodukte – rund 70 % der Wirkung stammen aus dieser Fraktion.
🎬 Das Ganze im Video
Herstellung und Anwendung Schritt für Schritt – aufgenommen auf unserem Betrieb.
Komposttee Herstellung und Anwendung – auf YouTube ansehen. Weitere Filme findest du in unseren FAQ unter „Videos“.