Komposttee fördert Wurzelwachstum und damit die Siliziumaufnahme: so wird die Pflanze robuster

Komposttee fördert das Wurzelwachstum: Gurkensämlinge bildeten im ZHAW-Versuch 31 % mehr Wurzelmasse als mit Wasser. Mehr Wurzeln heisst mehr Aufnahme und weniger Stress in Trockenphasen. Dazu steigt mit Komposttee der Siliziumgehalt im Blattsaft, wie wir in über 100 Blattsaftanalysen gesehen haben.
Das Foto oben: Weizen mit und ohne Komposttee
Das Foto zeigt zwei Weizenpflanzen, die wir ausgegraben haben. Links die Pflanze mit Komposttee, rechts ohne. Links hängt deutlich mehr Wurzelmasse am Pflanzenfuss, und die Wurzeln sind feiner. Das ist der Unterschied, um den es in diesem Beitrag geht.
Feine Wurzeln machen die Aufnahmefläche der Pflanze aus. Mehr davon bedeutet mehr Nährstoffe und mehr Wasser. Dazu lockern sie den Boden und hinterlassen Nahrung für das Bodenleben.
Der Versuch mit Gurkensämlingen
Lorenz Rieger hat 2020 an der ZHAW Wädenswil gemessen, wie Komposttee auf junge Pflanzen wirkt. Er hat Gurken ausgesät und mit 10 ml Komposttee pro Pflanzstelle angegossen. Der Tee kam aus dem EdaLife Hobby V15, gebraut aus Kompost und EdaBiom+ als Nahrung. Die Kontrolle bekam Wasser. Nach 14 Tagen hat er die Wurzeln gewogen.
Die Gurken mit Komposttee hatten im Mittel 0,98 g Wurzelfrischgewicht, die mit Wasser 0,75 g. Das sind 31 % mehr Wurzelmasse. Alle Komposttee-Varianten lagen über beiden Kontrollen. Ein Trichoderma-Produkt aus dem Handel, das als Vergleich mitlief, brachte keine Zunahme.

Die Nahrung im Tee zählt. Mit EdaBiom+ war der Effekt am grössten, mit Melasse fiel er klein aus. Bei Mais haben wir im selben Versuch keinen Unterschied im Wurzelgewicht gesehen. Gurken reagieren offenbar stärker.
Auch Kresse zeigt es
Ein Lernender hat in einer Baumschule einen Kressetest gemacht, in Containersubstrat, mit und ohne Komposttee. Die Kresse mit Komposttee hat deutlich mehr und längere Wurzeln gebildet. Du siehst es auf dem Foto in den Reihen 3 und 4. Ein solcher Test geht in jedem Betrieb, du brauchst nur Substrat, Samen und etwas Komposttee.

Warum Wurzeln gegen Trockenstress helfen
Ein ausgetrockneter Boden kann über 60 °C heiss werden. Für die Pflanze ist das Fieber. Die Photosynthese arbeitet dann nicht mehr effizient, und die Pflanze baut eigene Energie ab.
Ein Prozent mehr Humus speichert rund 52 000 Liter Wasser pro Hektar zusätzlich. Das puffert Hitzetage. Komposttee fördert das Feinwurzelwachstum und damit indirekt den Humusaufbau. Eine gut ernährte Pflanze betreibt mehr Photosynthese und gibt mehr Zucker über die Wurzeln ab. Damit füttert sie die Bodenbakterien, und es gibt mehr davon. Die Bakterien bauen den Humus nicht selbst auf. Ein Teil von ihnen bleibt nach dem Absterben als stabiler Humus im Boden: Die tote Zellmasse, die Nekromasse, bindet an Mineralien.
Meiner Meinung nach ist das der Grund, warum Pflanzen mit Komposttee weniger schnell gestresst sind. Wie du Trockenstress früh erkennst und was du dann düngst, steht im Beitrag zur Blattsaftanalyse: Blattsaftanalyse: wann du sie machst und was sie dir zeigt.
Silizium: das zweite Argument für Komposttee
Silizium stärkt die Zellwände. Die Pflanze wird widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Krankheiten und nimmt Phosphor besser auf. Silizium im Boden bringt der Pflanze aber nur etwas, wenn sie es auch aufnehmen kann.
Hier hilft die Mikrobiologie. Nach über 100 Blattsaftanalysen im Jahr 2021 haben wir gesehen: Mit Komposttee steigen Zucker- und Siliziumgehalt im Blattsaft. Bei meinem Wintergetreide lag der Siliziumgehalt im Blattsaft zuletzt leicht tief. Erfahrungsgemäss steigt er mit der mikrobiellen Aktivität und mit dem Einsatz von Komposttee. Auf dem Golf Green im Versuch von Rieger lag Silizium im Blattsaft der Komposttee-Fläche bei 476 ppm, auf der Fungizid-Fläche bei 372 ppm. Das war eine einzelne Probe, mehr dazu im Beitrag Komposttee gegen Krankheiten auf Golf Greens.
Meiner Meinung nach hängt beides zusammen. Mehr Wurzeln und ein aktives Bodenleben geben der Pflanze die Aufnahmefläche und die Helfer, um an das Silizium zu kommen.
So setzt du Komposttee ein
Bei Saatgut und Jungpflanzen giesst du den Tee direkt zur Aussaat an. Im Gewächshaus geht das über die Bewässerung. Mehr dazu im Beitrag Saatgut und Jungpflanzen mit Komposttee beimpfen. Auf dem Feld rechnen wir mit mindestens 100 l/ha, ideal sind 150 bis 200 l/ha.
Der Tee ist nur rund vier Stunden haltbar, also setz ihn frisch ein. Wie du die Qualität prüfst, steht in So prüfst du die Qualität deines Komposttees. Unsere Brausysteme findest du im Shop, die Blattsaftanalyse unter Blattsaftanalyse. Wenn du einen Versuch auf deinem Betrieb planst, helfen wir dir in der Beratung beim Aufbau.
Häufige Fragen zu Komposttee, Wurzeln und Silizium
Fördert Komposttee das Wurzelwachstum?
Ja, bei Gurkensämlingen messbar. Im ZHAW-Versuch von Lorenz Rieger (2020) wogen die Wurzeln 14 Tage nach der Aussaat mit Komposttee im Mittel 0,98 g, mit Wasser 0,75 g. Das sind 31 % mehr Wurzelmasse. Bei Mais gab es keinen Unterschied.
Wie hängen Komposttee und Silizium zusammen?
Mit Komposttee steigen Zucker- und Siliziumgehalt im Blattsaft. Das ist unsere Beobachtung aus über 100 Blattsaftanalysen im Jahr 2021, kein kontrollierter Versuch. Silizium stärkt die Zellwände und verbessert die Phosphoraufnahme.
Baut Komposttee Humus auf?
Nicht direkt. Komposttee fördert das Wurzelwachstum und damit die Zuckerabgabe über die Wurzeln. Davon leben mehr Bodenbakterien. Die Bakterien bauen den Humus nicht selbst auf. Ein Teil von ihnen bleibt nach dem Absterben als stabiler Humus im Boden, weil die tote Zellmasse (Nekromasse) an Mineralien bindet.
Wie viel Komposttee brauche ich pro Hektar?
Auf dem Feld mindestens 100 l/ha, ideal sind 150 bis 200 l/ha. Der Tee ist nach dem Brauen nur rund vier Stunden haltbar und wird frisch ausgebracht.
Wie prüfe ich auf meinem Betrieb, ob Komposttee wirkt?
Grabe vor dem Frühjahr je 5 Pflanzen auf der behandelten und der unbehandelten Fläche aus und vergleiche Wurzelmasse und Feinwurzeln. Ein paar Wochen später zeigt eine Blattsaftanalyse Silizium und die übrigen Nährstoffe im Pflanzensaft.
Stand: November 2026. Autor: EDAPRO GmbH, Ruswil. Quellen: Projektarbeit Rieger 2020 (ZHAW Wädenswil), Blattsaftanalysen und Praxisbeobachtungen von EDAPRO.