Komposttee gegen Krankheiten auf Golf Greens: was unser Feldversuch zeigt

Komposttee hielt in unserem Feldversuch auf Golf Greens gut mit den Fungiziden mit. Auf dem am stärksten befallenen Green hatte er im August sogar weniger Befall. Und das Straussgras wurde dichter.
Der Versuch
Lorenz Rieger hat den Versuch 2020 für seine Masterarbeit an der ZHAW Wädenswil gemacht, mit unserem Brausystem und unserem Kompost. Ort war der Golfclub Heidiland in Bad Ragaz auf 511 m ü. M. Drei Greens, 22 Wochen, von Mai bis Anfang November. Die Greenkeeper pflegten wie sonst, nur die Behandlungen unterschieden sich.
Rieger hat den Komposttee im EdaLife V60 gebraut: 1,8 Liter EdaBiom-Kompost und 153 g Nährstoffe auf 60 Liter Wasser, 24 Stunden belüftet. Der Tee kam alle zwei Wochen zum Einsatz, ab dem 5. Juni, mit dem normalen Spritzgerät. Vorher hat er im Gewächshaus der ZHAW mehrere Rezepturen an Straussgras getestet. Das Foto oben zeigt diesen Vorversuch.
Dreimal, im Mai, im August und im November, hat er geschätzt, wie viel Fläche von Krankheit befallen war und wie viele Infektionsstellen es gab. Laut Greenkeeper war Anthraknose die Hauptkrankheit der Saison.
Was herauskam
Über die ganze Saison lag der befallene Flächenanteil mit Fungiziden bei 1,7 %. Mit Komposttee waren es 2,4 % bei voller und 3,6 % bei halber Düngung. Ohne Behandlung waren es 4,4 %, mit halber Düngung allein 4,6 %. Komposttee liegt damit nah bei den Fungiziden, der Unterschied ist statistisch nicht gesichert. Bei den Infektionsstellen ist es dasselbe Bild: 1,4 mit Fungiziden, 1,6 und 1,7 mit Komposttee, aber 2,3 und 2,4 ohne Behandlung.

Spannend wird es dort, wo der Druck am höchsten war. Auf Green 2 war im August ein Zehntel der Fungizid-Fläche befallen. Auf den Komposttee-Flächen waren es 5,8 % und 9,2 %. Fungizide sind also kein absoluter Schutz. Das zeigt sich gerade dann, wenn der Krankheitsdruck hoch ist. Dazu kommt, dass Erreger gegen Wirkstoffe zunehmend Resistenzen entwickeln.

Bei mässigem Druck auf den Greens 5 und 8 waren die Fungizide besser. Das können sie. Der Komposttee war dort trotzdem nicht weit weg.
Die sichtbare Wirkung
Im Gewächshaus lief das Straussgras mit lebendem Komposttee besser auf als mit sterilisiertem. Die Blattmasse war mit Fungizid am tiefsten. Mit Komposttee bildete das Gras also mehr Blattmasse.
Auf dem Feld nahm das Straussgras auf den Komposttee-Flächen die ganze Saison zu. Auf den Fungizid-Flächen nahm es als einziges ab. Das sieht man auf dem Green: Die Narbe wird dichter, und je dichter das Straussgras, desto weniger Infektionsstellen. Straussgras ist weniger anfällig für Anthraknose als das Einjährige Rispengras, das etwa 20 % der Fläche ausmachte.
Dazu kommt, was wir auf den Flächen sehen: Befallene Stellen schliessen sich mit Komposttee schneller wieder. Einzeln ausgemessen haben wir das nicht. Es passt aber zu den Zahlen. Im November war der Befall überall fast weg, im Mittel noch 0,3 %, und das Straussgras legte auf den Komposttee-Flächen weiter zu.
Auch im Blattsaft zeigte sich ein Unterschied. In einer Probe von Green 2 Anfang November lagen auf der Komposttee-Fläche Phosphor, Silizium und Eisen höher als auf der Fungizid-Fläche.
Warum das funktioniert
Komposttee bringt lebende Mikroorganismen auf die Narbe. Sie besetzen Platz und Nahrung, den sonst Erreger bekommen, und manche wirken direkt gegen sie. Rieger vermutet zusätzlich Signalstoffe, die die Pflanze selbst stärken. Dazu kommen die Wurzeln: Er verweist auf Studien, nach denen Komposttee die Wurzellänge auf Golf Greens fördert. Tiefere Wurzeln senken den Trockenstress, und weniger gestresstes Gras wird weniger krank.
Auch die Mykorrhiza profitiert. In seinem Gewächshausversuch waren die Wurzeln mit Komposttee deutlich stärker besiedelt, mit Fungizid am wenigsten. Mehr dazu im Beitrag Komposttee und Mykorrhiza.
Meiner Meinung nach ist das der Kernunterschied: Fungizide treffen den Erreger. Komposttee stärkt die Narbe, die ihn aushalten muss.
Was es kostet
Rieger hat die Materialkosten für Dünger und Pflanzenschutz gerechnet, mit den Preisen von 2020 und 15 Anwendungen pro Saison. Komposttee statt Fungizide, bei voller Düngung: 14,2 % tiefere Kosten. Komposttee mit halber Düngung: gut die Hälfte tiefer als die konventionelle Variante. Arbeit und Geräte sind nicht eingerechnet. Das Spritzgerät brauchte keine Anpassung.
Was du daraus mitnimmst
Teste es auf einer Teilfläche, mit einer unbehandelten Kontrolle daneben, und halte den Befall über die Saison fest. Das war eine Saison auf einem Golfplatz, dein Green kann anders reagieren. Mit Fungiziden aufhören musst du dafür nicht. Rieger hält bei akutem Druck in der Umstellung beides nebeneinander für denkbar. In Trockenphasen empfiehlt er, weniger oft zu mähen und die Schnitthöhe zu erhöhen.
Wie du den Tee herstellst und prüfst, steht im Beitrag So prüfst du die Qualität deines Komposttees. Unsere Brausysteme findest du im Shop. Wenn du einen Versuch auf deinem Green planst, helfen wir dir in der Beratung beim Aufbau.
Die Masterarbeit kannst du bei der ZHAW im Volltext lesen.