Komposttee & Herstellung

Güllezusatz selbst herstellen: was Milchsäurebakterien im Güllelager bewirken

Kräuter aus dem Blühstreifen im Netzsack für das EM-Ferment

Im Herbst läuft unser Brausystem im Dauereinsatz: 500 Liter Komposttee für den Nachbarbetrieb, in der Woche darauf der nächste Ansatz für unsere Gründüngungen. Und wenn die Felder dann ruhen, hört die Maschine trotzdem nicht auf zu arbeiten. Im Winter stellen wir damit EM-Fermente her – als Zusatz für die Gülle.

Warum die Gülle einen Zusatz verträgt

Gülle ist der Hofdünger, den du bereits hast. Trotzdem verlierst du einen Teil davon, bevor er überhaupt auf dem Feld ankommt: Stickstoff entweicht in die Luft oder wandert ins Grundwasser.

Meiner Meinung nach fangen wir beim Düngen am falschen Ende an. Wir diskutieren über zugekaufte Einheiten und schauen zu, wie im Lager Stickstoff verschwindet. Wer die Preisschwankungen der letzten Jahre mitgemacht hat, weiss, wie teuer diese Abhängigkeit ist.

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Der einfachste HebelNicht mehr Dünger zukaufen, sondern das behalten, was schon im Lager ist. Genau dafür sind On-Farm-Fermente da.

Ferment oder Komposttee: der Unterschied liegt im Sauerstoff

Komposttee wird belüftet. Der Sauerstoffgehalt muss über den gesamten Brauprozess im aeroben Bereich bleiben – über 6 mg/l gelöster Sauerstoff. Genau das macht ihn zur Blattstimulanz.

Ein Ferment funktioniert umgekehrt: Es arbeitet unter Luftabschluss. Milchsäurebakterien und ihre Begleiter vermehren sich anaerob und säuern den Ansatz an.

Für die Gülle ist das entscheidend. Ein Güllelager ist ein anaerobes Milieu. Aerobe Mikroorganismen aus dem Komposttee haben dort nichts verloren. Anaerobe Fermente dagegen sind in dieser Umgebung zuhause.

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Kurz gemerktKomposttee gehört aufs Blatt und in den Boden. Fermente wirken positiv im Güllelager. Beides sind Biostimulanzien, aber sie arbeiten mit unterschiedlicher Biologie.

Was die Milchsäurebakterien in der Gülle machen

Vier Dinge passieren, und sie hängen zusammen.

Erstens fressen sie den Zucker weg. In der Gülle stecken Reste an Kohlenhydraten aus dem Futter. Milchsäurebakterien bauen sie zu Milchsäure ab. Damit entziehen sie den Fäulnisbakterien die Nahrungsgrundlage – die kommen gar nicht erst in Fahrt.

Zweitens sinkt der pH. Die Milchsäure säuert das Lager an. Das ist kein Selbstzweck, sondern der Hebel für alles Weitere.

Drittens bleibt der Stickstoff, wo er ist. Der Ammonium-Stickstoff in der Gülle steht in einem Gleichgewicht mit gasförmigem Ammoniak. Wie dieses Gleichgewicht steht, entscheidet der pH-Wert.

Kurve: Anteil flüchtiges Ammoniak im Verhältnis zum pH-Wert der Gülle
Der Anteil des flüchtigen Ammoniaks steigt mit dem pH-Wert. Ein pH-Schritt nach unten heisst zehnmal weniger NH₃.

Bei pH 7,5 – typisch für unbehandelte Rindergülle – liegt knapp ein Prozent des Ammonium-Stickstoffs als flüchtiges Ammoniak vor. Bei pH 6,5 ist es noch ein Zehntel davon. Jede pH-Stufe nach unten bedeutet zehnmal weniger von dem Stickstoff, der dir aus dem Lager davonfliegt. Und pH 6,5 ist genau der Bereich, in den wir mit einem EM-Ferment in der Praxis kommen.

Viertens bauen die Bakterien Stickstoff in sich selbst ein. Was in einer Bakterienzelle steckt, kann nicht ausgasen. Der Stickstoff ist biologisch gebunden und wird erst im Boden wieder frei – dort, wo du ihn haben willst.

Im Lager siehst du das Ergebnis, bevor du es misst. Die Gülle wird fliessfähiger, es bilden sich weniger Schwimmdecken, der Fäulnisgeruch geht zurück. Auf dem Feld ist sie pflanzen- und bodenverträglicher, weil sie weniger ätzende Stoffe enthält: Sie versickert schneller und klebt weniger an den Blättern.

Wer im sauren Milieu aufgibt

Ein Güllelager ist auch ein Zwischenlager für Krankheitserreger. Streptokokken und Klebsiellen kommen als Mastitiserreger aus dem Stall in die Gülle, Clostridien und Enterokokken über Kot und Einstreu – und über Futter und Boden wieder zurück zur Kuh.

pH-Bereiche von Milchsäurebakterien, Clostridien, Streptokokken, Klebsiellen und Enterokokken
Alle vier Erreger haben ihr Optimum bei pH 7 und darüber – genau dort liegt unbehandelte Gülle.

Schau dir an, wo diese Keime ihr Optimum haben: bei pH 7 und darüber. Genau dort liegt unbehandelte Gülle. Wir lagern sie also unter Bedingungen, die ihnen bestens passen.

Mit einem EM-Ferment kommen wir in der Praxis auf etwa pH 6,5. Das tötet niemanden ab. Aber es nimmt jedem dieser Keime den optimalen Bereich weg – während die Milchsäurebakterien dort noch voll arbeiten, weil ihr Optimum tiefer liegt.

Dazu kommt der zweite Hebel, der oft unterschätzt wird: Die Milchsäurebakterien fressen die Zucker weg, von denen die anderen leben würden. Der pH ist das Sichtbare, die Nahrungskonkurrenz ist das Wirksame.

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Ehrlich bleibenpH 6,5 verdrängt, es sterilisiert nicht. Enterokokken sind besonders zäh, die wirst du im Lager nicht los. Und Clostridien haben von den vieren das tiefste Optimum – sie spürst du eher über die Nahrungskonkurrenz als über den pH.

Kräuter aus dem eigenen Blühstreifen

Kräutersack wird in den Ansatz des EdaLife Brausystems getaucht
Der Kräutersack kommt in den Ansatz. Was im Blühstreifen wächst, landet im Ferment.

Unser mehrjähriger Blühstreifen ist nicht nur Insektenhabitat. Dort wachsen verschiedene Kräuter, die wir als Grundlage für unsere Kräuterfermente verwenden.

Das Vorgehen ist einfach: Kräuter schneiden, in den Netzsack, Sack in den Ansatz. Die Pflanzenstoffe gehen ins Wasser über, die Mikroorganismen vermehren sich darauf.

🌿 Unser Rezept für 1000 Liter Kräuterferment

  • 40 l EM A – unter hygienischer Führung und mit Kontrolle des pH lässt sich die Starterkultur immer weiter verwenden
  • 30 l Melasse
  • 0,5 kg Steinsalz – ohne Zusätze wie Antiklumpmittel
  • rund 10 kg Kräuter – sauber und erdfrei, in 1 bis 5 cm lange Stücke geschnitten

Beim Auflösen der Melasse im Brausystem kann es schäumen. Dagegen hilft ein Viertelliter Speiseöl – das bindet den Schaum.

Ob das Ferment gelungen ist, erkennst du an zwei Dingen: Es riecht süss-säuerlich, nicht faulig. Und der pH-Wert muss unter 4 liegen. Beides prüfe ich, bevor etwas ins Güllelager geht.

Der Vorteil gegenüber einem Zukaufprodukt liegt auf der Hand. Du weisst, was drin ist, du zahlst fast nichts dafür, und die Zusammensetzung passt zu deinem Standort. Kein Kanister, keine Logistik, keine Wartezeit.

Reto Diener vom Früchtehof Morgestärn macht es auf seinem Betrieb genauso: Er vermehrt Milchsäurebakterien direkt auf dem Hof, mit eigenen Kräutern – im selben EdaLife V500, mit dem er den Komposttee für seine Kirschen braut.

Eine Maschine, drei Verfahren

EdaLife Chrome Brausystem in der Scheune
Dasselbe Brausystem, das im Sommer Komposttee braut, macht im Winter Fermente.

Aerob vermehren oder anaerob fermentieren – das EdaLife kann beides. Dasselbe System, mit dem wir im Sommer Komposttee und im Herbst Kompostextrakt herstellen, macht im Winter die Fermente.

Ein Punkt ist dabei wichtig: Fermente brauchen Wärme. Für EM reicht Raumtemperatur in einer kalten Scheune nicht. Deshalb gibt es die Brausysteme mit integrierter Heizung, Steuerung und Isolation – für die Fermentherstellung ist diese Ausstattung nötig, für Komposttee im Sommer nicht.

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Vor dem Kauf mitdenkenWenn du das Brausystem auch im Winter für Fermente nutzen willst, bestell es gleich mit Heizung und Isolation.

Damit rechnet sich die Maschine über deutlich mehr Monate. Komposttee im Frühjahr und Sommer, Kompostextrakt im Herbst, Fermente im Winter.

Erfolg sichtbar machen – und mit Zahlen hinterlegen

Ein belebtes Güllelager ist kein Glaubensthema. Man kann nachmessen, ob sich das Milieu tatsächlich verschoben hat.

Wir bieten dafür zwei Dinge an: eine Gülle-Milieu-Analyse und mikrobielle Analysen der Güllequalität. Damit siehst du, wo dein Lager steht und ob der Zusatz das bewirkt, was er soll. Wir arbeiten mit verschiedenen Laboren zusammen und wählen die Analyse aus, die zu deiner Frage passt.

Dazu kommt die Pflanzenseite. Wir prüfen mit einer Blattsaftanalyse zwei bis drei Wochen nach der Güllegabe, ob die Stickstoffeinbindung funktioniert – und welche Spurenelemente es an deinem Standort braucht, damit die Pflanze den Stickstoff effizient in Proteine einbinden und eine hohe Photosyntheseleistung erreichen kann.

Das hängt weiter zusammen, als viele denken. Ein zu hoher Nitratgehalt im Futter bedeutet viel Nicht-Protein-Stickstoff, und der landet als Harnstoff in der Milch. Noch schlimmer: Nitrat kann in der Kuh zu Nitrit umgewandelt werden, das im Blut den Sauerstoff bindet – die Folge sind Aborte. Weniger Nitrat heisst gesündere Tiere, bessere Milch und eine bessere Güllebiologie, weil die Ausgangsqualität der Gülle schon im Futter entschieden wird.

Der Kreis schliesst sich also: Futter, Tier, Gülle, Boden, Pflanze. Der Güllezusatz ist ein Glied davon – nicht die ganze Kette.

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Worum es uns gehtWir verkaufen dir lieber weniger, das dafür wirkt. Ob es wirkt, zeigt die Analyse – früh genug, um in derselben Saison nachzusteuern. Als Landwirt zählt für mich nur das Resultat auf dem Feld.

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